Mediation

Informationen, Fragen und Aktuelles zum Thema Mediation und Ausbildung von MediatorInnen

16. Mai 2016
von milan
28 Kommentare

Der Mehrwert der Mediation

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Kürzlich wurde ich angefragt, einen Artikel für eine Mediationszeitschrift zu schreiben über die – potentielle – Alltagswirkung von Mediation.

Meine Erfahrung und die daraus folgende Hypothese ist, dass Mediationen über den konkreten, strittigen Sachverhalt hinaus eine Wirkung haben kann und m.E. nach oft auch hat.
Ist das wirklich so und wenn ja – welcher Art könnten diese Wirkungen sein?

Kann Mediation etwas Grundsätzliches bei den Konfliktparteien und in den Systemen, in denen sie stattfindet, verändern – und zwar über die spezifische Situation und Lösung hinaus?

Ich fände es spannend, die Frage aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten:

  • aus der Sicht von Mediatorinnen und Mediatoren,
  • aus der Sicht von Menschen, die an einer Mediation teilgenommen haben,
  • aber auch aus der Sicht von Teilnehmenden an Mediationsausbildungen.
  • Und vielleicht auch aus der Sicht von Außenstehenden, die selbst nicht an einer Mediation beteiligt waren, aber Auswirkungen einer Mediation in ihrem Umfeld wahrgenommen haben.

Und um einen möglichst breiten, wenn auch wahrscheinlich keinen repräsentative Einblick zu erhalten würde ich mich hier an dieser Stelle über Kommentare von euch freuen:

  • Welche Erfahrungen habt ihr mit Mediationen gemacht – als MediatorInnen oder als Konfliktparteien?
  • Hatte die Mediation Auswirkungen über die spezifische Lösung hinaus? Wenn ja, welche? Wenn nein – hattet ihr diesbezüglich Erwartungen oder Hoffnungen, die sich leider nicht erfüllt haben? Woran mag das gelegen haben?
  • Hat sich durch eure Tätigkeit als Mediatorin oder Mediator irgendetwas in eurem Leben verändert? Zum Besseren?
  • Welchen Einfluss hatte die Mediationsausbildung auf euch, euer Alltagsverhalten, euer Leben?

Vielen Dank im Voraus für euer Mitdenken und das Teilen eurer Gedanken dazu.

9. Mai 2016
von milan
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Die Fragen lieb haben

Reiher
Manchmal ist in der Mediation die vereinbarte Zeit um, bevor alles geklärt werden konnte; manchmal fehlen uns wesentliche Informationen, ohne die wir bestimmte Inhalte nicht entscheiden können; und manchmal ist die Beziehungsebene noch nicht so weit wiederhergestellt, dass man sich den Sachfragen widmen kann. Es kann frustrierend sein – für die Konfliktparteien, aber auch für uns -, wenn wir die Dinge (noch) nicht zu einem guten Abschluss bringen könne. Was uns dann jedoch bleibt, ist, den Parteien Geduld und Zuversicht zu vermitteln, dass manche Dinge Zeit brauchen, und dass sie meist um so besser gedeihen, wenn wir der Entwicklung Raum geben.
In diesen Situationen lese ich ihnen manchmal den folgenden Text vor, den Rilke einst an einen jungen Dichter schrieb:

… und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr,
Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen
und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben
wie verschlossene Stuben und wie Bücher,
die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten,
die Ihnen nicht gegeben werden können,
weil Sie sie nicht leben könnten.
Und es handelt sich darum, alles zu leben.
Leben Sie jetzt die Fragen.
Vielleicht leben Sie dann allmählich,
ohne es zu merken,
eines fernen Tages in die Antwort hinein.

aus: Rilke: Brief an einen jungen Dichter

Download als Karte:
Rilke_Fragen_lieb_haben_2

28. März 2016
von milan
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Irritation ist kostbar

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Der Physiker und Konstruktivist Heinz von Foerster unterschied triviale und nicht-triviale Maschinen. Je trivialer ein System ist, desto leichter ist es zu kontrollieren.Wobei “trivial” nicht zu verwechseln ist mit “einfach”. Triviale Systeme können hochkomplex sein, wie z.B. Computer. Aber im Normalfall wissen wir bei einem Computer, was passiert, wenn wir eine bestimmte Taste drücken: Wenn ‘A’ dann ‘B’. Das ist gemeint mit trivial. Solch ein System gilt als grundsätzlich kontrollierbar.

Nicht-trivial = lebendig
Lebendige Systeme – soziale oder biologische – können wir jedoch nicht wirklich kontrollieren. Im besten Fall haben wir hohe Wahrscheinlichkeiten, was wohl passieren wird, wenn wir bestimmte Dinge tun. Aber es gibt keine Garantien für eine bestimmte Reaktion. Gäbe es sie, wäre das eher ein Hinweis darauf, dass das System trivial ist (= tot).

Respekt vor dem Lebendigen
Ein Trost hinsichtlich dieser Unkontrollierbarkeit von Menschen und von zwischenmenschlichen Systeme (das betrifft u.a. auch Konfliktdynamiken und Mediationsprozesse!), kann sein, dass wir mit dieser Erkenntnis Respekt vor dem Lebendigen ausdrücken: “Ich respektiere Deine Autonomie und Selbstverantwortung, indem ich anerkenne, dass Du – egal was ich tue – immer noch eine Entscheidung hast, wie Du darauf reagierst.”

Systeme irritieren
Dennoch sind unsere Interventionen natürlich nicht ohne Wirkung. Auch wenn wir Systeme nicht kontrollieren können, können wir sie jedoch irritieren, d.h. in ihrem geregelten Ablauf stören. Systemische Therapeut*innen und Coaches sehen das als eine ihrer Hauptaufgabe an: ein suboptimales oder dysfunktionales System zu stören.
Und wenn wir gut beobachten, können wir in den Reaktionen auf unsere Intervention vielleicht sogar Muster und Regelmäßigkeiten  erkennen. So lernen wir, beim nächsten Mal noch gezielter zu irritieren.

“Es ist egal, was Du tust – entscheidend ist, was Du danach tust.”
Dieser Satz hing lange Zeit über meinem Schreibtisch. Er hat mich daran erinnert, wie wichtig der zweite Schritt ist: Die Beobachtung der Reaktionen auf unsere Intervention (Feedback!) und dann eine diesen Reaktionen angemessene weitere Intervention.

Wozu ist es gut
Außer für Kontrollfreaks und Sicherheitsfanatiker*innen bietet das Systemdenken einige Vorteile:

  • Systemdenken entlastet uns.
    Wenn wir anerkennen, dass nicht wir allein für das Ergebnis verantwortlich sind, sondern dass wir immer ein lebendiges”Gesamtkunstwerk” erschaffen, reduzieren wir den Erfolgsdruck, der ansonsten einzig auf unseren Schultern lastet.
  • Systemdenken ermutigt zum Handeln.
    Dilemmata – “Soll ich lieber A machen oder B?” – lähmen oft auf der Handlungsebene. Indem wir jedoch über den Tellerrand des Entweder-Oder-Dilemma hinausschauen, erweitern wir unsere Optionen: “Anstatt wissen zu müssen, ob A oder B richtig ist, folge Deinem spontanen Impuls UND schau gut auf die Reaktion. Und dann mache den angemessenen nächsten Schritt.”
  • Systemdenken macht uns freundlicher.
    Wir werden fehlerfreundlicher und toleranter mit uns und mit unseren Mitmenschen, wenn wir nicht jeden Fehler sofort EINEM Schuldigen (egal ob uns oder anderen) zuordnen, sondern in jeder Situation vielfältige Wirkfaktoren und Wechselwirkungen erkennen können.
  • Systemdenken macht uns wirkmächtiger.
    Indem wir druckfreier handeln und dann interessiert und freundlich die Wirkungen beobachten, lernen wir ständig dazu. Wir sind ein lernendes System. So vergrößern wir beständig unser Handlungsrepertoir und können beim nächsten Mal noch differenzierter reagieren. Und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit, noch näher an die gewünschten Reaktion zu kommen.

In diesem Sinne – mit einem Dank an Niklas Luhman:
Lasst uns daran gehen, Systeme zu irritieren.

Auch in der Bücherliste:
Luhmann, Niklas – Macht im System (suhrkamp taschenbuch wissenschaft).epub
Luhmann, Niklas – Politische Soziologie (suhrkamp taschenbuch wissenschaft).epub
Luhmann, Niklas – Liebe als Passion. Zur Codierung der Intimität.pdf

Siehe auch: “Viktor Frankls Freiheit”

15. März 2016
von milan
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Praxistraining “Einfach Visualisieren”

Einfach_Visualisieren

Die Regionalgruppe Südbaden-Dreyeckland veranstaltet am Samstag, 19. März ein Praxistraining “Einfach Visualisieren”.

Den Tagesworkshop leitet Jörg Schmidt, (Mediator & Ausbilder für Mediation, Trainer für Visualisierung und Illustrator von Fachliteratur)

 


Inhalte u.a.:

  • Regeln der Visualisierung
  • Effekte erzielen
  • Emotionen, Gefühle & Bedürfnisse abbilden
  • Flipcharts aufbauen und gestalten

Infos zu Zeiten, Kosten, weiteren Inhalten:
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