Mediation

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Perspektivenwechsel im Alltag

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 _ Halb voll oder halb leer?

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Vor einiger Zeit ging ich aus dem Haus, etwas in Eile, weil ich den Zug erreichen wollte. Ich war etwa 50m weit gekommen, als mir einfiel, dass ich meinen Brieftasche mit der Fahrkarte vergessen hatte. Meine spontane innere Reaktion war: „Du Dussel, jetzt kannst Du noch mal zurück gehen!“ (Hier meldete sich mein ‚Innerer Kritiker‘ zu Wort.)
Meine zweite – etwas verzögerte und auch bewusstere Reaktion war: „Hej, gut dass Dir das jetzt noch eingefallen ist! Es erst an der Bushaltestelle zu merken, wäre zu spät gewesen.“
Und dann meldete sich meine dritte Stimme – eine äußerst konstruktive, zu Wort und sagte „Danke!“ zu dem Teil in mir, der mich so unvermittelt daran erinnert hat, dass ich etwas vergessen hatte.

Um den Perspektivenwechsel zu üben brauchen wir also gar nicht unbedingt andere Personen und Meinungen. Unsere inneren Dialoge bieten uns ein ebenso wertvolles Übungsfeld – oft mit zusätzlichem Gewinn für unsere persönliche Zufriedenheit. Denn wer kennt nicht die Dialoge oder Chöre dieser verschiedenen inneren Stimme, die uns manchmal echt jeck machen können.

Zur Übung:

1.) Bei nächster Gelegenheit, wenn in Dir mal wieder ein innerer Dialog abläuft, nimm zusätzlich noch eine neutrale und allparteiliche Position ein. Dann gib den unterschiedlichen Sichtweisen bewusst Raum und Wertschätzung , so wie MediatorInnen es bei den Konfliktparteien tun. Wenn du willst, nutze auch das Paraphrasiere. Das hilft, die neutrale & allparteiliche Position zu etablieren und zu stärken.
Beispiel: „Der Brief muss heute noch geschrieben und verschickt werden.“ „Ach komm, das hat doch Zeit bis morgen, so wichtig ist das doch nicht.“

2.) Das nächste Mal, wenn Dein „innerer Kritiker“ Dich herunter zieht („Mist, ich kriege das nicht hin!“) gib dieser Position bewusst einen Moment Raum und Wertschätzung. Dann überlege, was Dir in dieser Situation ein wohlwollender guter Freund oder eine gute Freundin sagen würde. Gib danach dieser Position Raum und identifiziere dich kurz mit dieser Sichtweise – wie fühlt sich das an …
Danach kannst Du – wenn Du willst – die Allparteilichkeit aufgeben und Dich entscheiden, mit welcher Sichtweise Du Dich nun verbinden willst: welche ist Dir auf Dauer am angenehmsten und dienlichsten?

Hintergrundliteratur

Friedemann Schulz von Thun: Miteinander Reden 3; Das „innere Team“ und situationsgerechte Kommunikation

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