Mediation

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Frage: „Inwieweit verändert die Mediationsausbildung unser persönliches Konfliktverhalten?“

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Manche Menschen denken vielleicht, dass MediatorInnen keine Konflikte mehr haben. Oder zumindest weniger Konflikte. Ich kann mir vorstellen, dass sogar das Gegenteil der Fall sein könnte. Vielleicht weil Mediatorinnen nicht (mehr?) so viel Angst vor Konflikten haben und sich eher dran trauen. Und sich vielleicht auch mit mehr Zuversicht in Konflikte begeben, weil sie immer wieder die Erfahrung gemacht haben, dass sich Konflikte überraschend oft gut lösen lassen, wenn man sich ihnen bewusst widmet und konstruktiv mit ihnen umgeht.

Ich denke, MediatorInnen habe ein größeres Repertoire bezüglich eines konstruktiven Umgangs mit Konflikten, sind in wichtigen Methoden geschult, z.B. dem aktiven Zuhören und dem Perspektivenwechsel, ABER ob sie, wenn sie selbst Konfliktpartei sind, davon auch Gebrauch machen können, das ist noch die Frage. Allerdings wissen sie dann um eine gute Methode der Konfliktregelung – nämlich die Mediation. Ich würde weder von mir, noch von anderen MediatorInnen erwarten, dass wir – wenn wir selbst Konfliktpartei sind – genau so mediativ mit Konflikten umgehen, wie wir das als MediatorInnen gelernt und auch (oft) parat haben. Aber auch meinen eigenen Konflikten liegt die Prämisse zugrunde, dass Konflikte gut gelöst sind, wenn beide Parteien zufrieden sind. Und wenn ich das nicht leisten kann – oder nicht leisten will! -, dann tue ich gut daran, mir eine dritte, neutrale Partei dazu zu holen, die diese Aufgabe übernimmt. Dann kann ich mich voll auf meine Rolle als Konfliktpartei konzentrieren.

Ich begrüße es sehr, dass der BM in seinen Anerkennungsrichtlinien für angehende MediatorInnen seit einiger Zeit die Empfehlung aufgenommen hat, dass die AntragstellerInnen an mindestens einer Mediation als MediandInnen teilgenommen haben sollen. Wer, wenn nicht wir, sollte wissen, dass die Mediation ein hilfreiches Instrument ist?!

Aber wie sehen das meine Kollegen und Kolleginnen? Wie sehen das unsere ehemaligen Trainees? Was hat sich bei euch durch die Mediationsausbildung verändert?

3 Kommentare

  1. Hallo zusammen,
    ich habe gerade eine Mediationsausbildung abgeschlossen, bin total angefixt von den vielen Inputs UND habe heute mehr Konflikte als vorher. Vielleicht liegt es ja auch nur daran, dass ich jetzt mehr Konflikte erkenne als früher. Vor meine Media-Ausbildung hätte ich vieles, was ich heute als Konflikt bezeichne eher „Problem“ oder „Streit“ genannt. Und da ja ein Streit doof ist, hat mal lieber ganz drüber weggesehen. Das war natürlich im Alltag nicht sehr hilfreich. Ich glaube ich würde heute viel mehr Dinge mit Freunden ansprechen, was ich mich vorher gar nicht getraut habe.
    Ich glaube auch, dass sich was an meiner Sprache verändert hat. Ich stelle heute weniger Behauptungen auf als dass ich ‚Möglichkeiten‘ benenne. Und ich erlaube mir auch meine Wünsche klarer zu formulieren, weil ich weiß, dass es keine Forderungen sind, sondern die Grundlage für faires Verhandeln.
    Ich kann eine Mediationsausbildung eigentlich jedem empfehlen, der freier und konstruktiver kommunizieren möchte, nicht nur Menschen, die die Mediation als eine berufliche Option sehen.

  2. Hallo,
    ich bin heute das erste mal auf diesen interesanten Blog gestoßen und möchte meine Anerkennung für diese Beiträge aussprechen.

    In meinem Leben hat sich durch die Mediatoren-ausbildung sehr viel verändert. Meine innere Haltung zu Konflikten hat sich verwandelt in die Wahrnehmung einer positiven Chance. Auch meine Auftraggeber (im Bereich der Tätigkeit als Sachverständige) kann ich überzeugen, dass ein möglichst schnelles und entschlossenes eingreifen in einen Konflikt sich positiv auf eine Kundenbindung auswirkt.
    Auch privat nutze ich meine neue innere Sichtweise auf Konflikte. Innerhalb der Familie oder bei Freunden agiere ich grundsätzlich nicht mit Fachbegriffen, sondern nutze bevorzugt Körpersprache und Präsenz um deutlich zu machen, dass ich genau zuhöre, dass ich Raum gebe für alternative Vorschläge oder was auch immer nötig ist.
    Ich selbst finde für mich sehr viel leichter und gelassener Lösungswege und sehe mich in der Lage deutlich besser zu kommunizieren und mit den richtigen Worten auch den Adressaten wirklich zu erreichen.
    Konflikte gibt es wohl immer, aber ich gehe auf eine andere Art und Weise damit um. Einen neutralen Dritten braucht es selten, wenn ich mich authentisch und sehr klar – aber grundsätzlich äußerst fair und respektvoll – kommuniziere.
    Viele Grüße
    Eva

  3. Hallo!
    Wenn ich schon dabei bin, will ich meine Meinung auch hier noch kundtun.
    Erst einmal grundsätzlich: Ich finde es sehr begrüßenswert, dass es die Möglichkeit gibt, zu mediationsrelevanten Themen Meinungen auszutauschen und ich wünsche mir, dass das vermehrt genutzt wird. Hier oder auch in anderen Mediations-Blogs oder -Foren.

    Zur Frage: Was hat sich bei mir durch die Medi-Ausbildung verändert?
    Zum einen bin ich bedeutend gelassener geworden (was etwas heißen will!!!), wenn es Meinungsunterschiede oder Streit gibt. (Ich bin nach wie vor der Meinung, dass sowohl mein Freund als auch meine Arbeitskollegen eigentlich meine Ausbildung hätten finanzieren sollen. SIE sind doch jetzt die Hauptnutznießer :-))
    Auf der anderen Seite vertrete ich heute meine Interessen – wenn auch, wie gesagt gelassener – deutlicher und auch nicht mehr so automatisch nachgiebig. (O.k., ich sehe es ein, ihr braucht meine Ausbildung nicht zu bezahlen.)
    Ich bin langsamer mit den (vor)schnellen Lösungen und schneller mit der Bereitschaft, mal langsam zu machen.
    Ich habe heute weniger Angst vor Unstimmigkeiten. Aber auch mehr Ärger, wenn sich Menschen in meinem Umfeld den Konfliktgesprächen entziehen. Weil ich dann mit mir abmachen muss, was sich m.E. doch so schön zu zweit regeln ließe.
    Und ich habe bereits einige Male die Mediation – allerdings eher auf kollegialer Ebene – in Anspruch genommen.
    Es scheint, dass sich die Ausbildung gelohnt hat.
    Grüße von Frauke

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