Mediation

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Thesen zu „Neurowissen & Hypnosystemik“

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  1. Wenn wir das Ausmaß unseres bewussten und unseres unbewussten Verhaltens untersuchen, werden wir erkennen, dass die meiste Zeit unser Autopilot am Steuer ist, d.h. unser Verhalten wird zu über 90% von unserem Unterbewusstsein gesteuert.
    ==> Unser Autopilot wird – bewusst und/oder unbewusst – ständig neu programmiert. Wir haben auch die Möglichkeit, ihn zeitweise einzugrenzen. Und, ob wir es wollen oder nicht – wir nehmen sogar ständig auf die Programme der Autopiloten unserer Mitmenschen Einfluss.
  2. Alles Verhalten ist Verhalten in einem bestimmten Kontext. Indem wir Kontexte verändern, können wir – indirekt, aber sehr wirkungsvoll – Einfluss auf das Verhalten bzw. auf die Wirkung von Verhalten nehmen.
    ==> Welche Kontexte schaffen wir unbewusst? Wie wirken sie?
    ==> Welche Kontexte halten wir in der Mediation für förderlich und wie können wir diese bewusst gestalten?
  3. Eine gut erforschte Art der Kontextgestaltung ist das Priming (= die Beeinflussung von Wahrnehmungen und Erfahrungen durch einen bewusst oder unbewusst gesetzten vorausgehenden Reiz, der unbewusste Gedächtnisinhalte oder Verhaltensmuster aktiviert.) Durch Priming wird ein Kontext erzeugt, der darauffolgende Intepretationen und Bewertungen beeinflusst.
    ==> Wie können wir das Priming in der Mediation nutzen?
    ==> Wie können wir bisher ggf. unbewusstes, hinderliches Priming erkennen und unterlassen und/oder durch einen dienliches Priming ersetzen?
  4. Aufmerksamkeitsfokussierung  (ein Phänomen, das wir gern mit Kippbildern illustrieren): Unser Fokus wird überwiegend automatisch generiert, beeinflusst davon, welche Erfahrungsmuster (Vergangenheit) und welche Erwartungen (Zukunftsprojektion) neuronal aktiviert werden.
    ==> Wir können lernen, den Fokus unserer Aufmerksamkeit aktiv zu wählen (– und zu halten!). Damit gestalten wir unsere Sichtweisen, unser Erleben und unsere Gefühle.
    ==> Wie können wir unsere MediandInnen beim Perspektivenwechsel, dem Wendepunkt vieler Mediationen, effektiver unterstützen: a. den Perspektivenwechsel vollziehen zu wollen, b. ihn vollziehen zu können.
  5. Indem wir aktiv zuhören beeinflussen wir – wahrscheinlich unbewusst aber dennoch wirksam – den Hormonspiegel der anderen Person (z.B. Oxytocin, unser “Kuschelhormon”. Es steigert das soziale Vertrauen). Oxytocin hat jedoch leider nur eine kurze Halbwertzeit.
    ==> Welchen Einfluss hat dies ggf. auf eine nur geringe Nachhaltigkeit trotz eines guten Mediationsverlauf?
    ==> Was können wir tun, um die Nachhaltigkeit von Lösungen und Vereinbarungen zu stärken?
  6. Gefühle sind wesentlicher Teil von Konflikten und sollten daher auch bei der Konfliktbearbeitung berücksichtigt werden. Gefühle geben uns wichtige Hinweise auf unsere Bedürfnisse. Und wir sind unseren Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert, sondern können Gefühle gestalten.
    ==> Wie können wir unsere Gefühle gestalten?
    ==> Wie können wir die Konfliktparteien darin unterstützen, Gestaltungsmöglichkeiten für ihre Gefühle zu sehen und aktiv zu nutzen?
  7. Per Intuition können wir Emotionen erfassen, Einsichten erlangen oder Entscheidungen treffen, die jenseits des bewussten Verstandes liegen, realitätstauglich sind, aber oft nicht rational zu erklären sind.
    ==> Intuition ist also wichtig für empathisches Verhalten. Wie können wir unsere Intuition trainieren bzw. das Vertrauen in unsere intuitiven Impulse entwickeln?

Und noch ein praktisches Plus:

Mit einfachen Übungen und Methoden des Mentaltrainings können wir unsere Performance als MediatorInnen verbessern und zudem gut für uns sorgen (Psychohygiene).
==> Mit welchen Übungen trainieren wir z.B. unsere Fähigkeit zum Perspektivenwechsel?
==> Wie können wir lernen, unsere Emotionen zu gestalten und unsere Empathiefähigkeit zu entwickeln?
==> Wie können wir unsere Überzeugungen und Glaubenssätze identifizieren, sie bezgl. Dienlichkeit und Hinterlichkeit überprüfen und sie ggf. verändern?
==> Wie können wir unsere Kreativität steigern und mit unseren MediandInnen noch kreativere Lösungen entwickeln?

Mehr Hintergrund zu diesen und weiteren Thesen gibt es das nächste Mal im Vortrag und Workshop “Neurowissen & Hypnosystemik am 8.-10 April 2016 in Freiburg.

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