Mediation

Informationen, Fragen und Aktuelles zum Thema Mediation und Ausbildung von MediatorInnen

15. März 2018
von milan
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Wirkmacht und Wirkfaktoren

Viele Konfliktparteien wünschen sich spontan eine Veränderung im Außen: Änderung der Umstände oder Änderung im Verhalten der anderen Partei.

Was dabei oft zu wenig gesehen wird, ist, dass sie sich damit zunehmend von den äußeren Umständen abhängig machen. Konflikte bieten auch immer Lern- und Entwicklungschancen.

Der transformative Ansatz der Mediation würdigt diesen Aspekt explizit und steht daher schnellen Lösungen, die vielleicht noch von Außen vorgeschlagen werden, sehr zurückhaltend gegenüber.

Siehe auch den Blogbeitrag „Wirkfaktoren im Konflikt„.

11. August 2017
von milan
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Martha & Leon

Martha und Leon waren schon einige Jahre verheiratet und überlegten, ob sie auf Dauer zusammen bleiben und auch miteinander Kinder haben wollten. In den letzten Monaten stritten sie jedoch sehr viel und sie fragen sich, ob es nicht besser wäre, sich zu trennen.

Eines nachmittags saßen sie unter Carunas Baum und hören zu, wie die Kinder mit ihr sangen und alberne Verse fabrizierten. Es überkam beide ein Sehnsucht nach dieser unbeschwerten Kinderzeit, wo sie nicht so viel Last zu tragen hatten.

Caruna schien ihre düstere Stimmung zu spüren, die so gar nicht zu der Leichtigkeit der Kinder passte: „Was bedrückt euch?“ Weiterlesen →

12. Mai 2017
von milan
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Warum Nachgespräche sinnvoll sind – Ein Plädoyer für die 6. Phase

Viele MediatiorInnen und zum Teil auch Mediationsverbände oder Ausbildungsinstitute geben als Ziel einer Mediation eine konsensuell erstellte gemeinsame Abschlussvereinbarung an.
Übersetzt in das Phasenmodell ist das in der Regel die 5. Phase.

In meinen Mediationen und auch in unseren Ausbildungen gehen wir noch einen Schritt weiter: Wir halten eine 6. Phase – Umsetzung und Evaluation – für wichtig.
Wenn wir auf vergleichbare Bereiche schauen, wo es ebenso um Veränderung, Lernen, Wachstum oder Heilung geht, z.B. im Projekt- oder im Change-Management, in Psychotherapie oder auch in der Medizin gehören diese Phasen dazu: Umsetzung – Evaluation – Integration.

Warum nicht auch in der Mediation?
In unseren Ausbildungen schauen wir uns oft ein interessantes Experiment an:

Wenn Konfliktparteien zu uns in die Mediation kommen und gerade wenn wir gut arbeiten, geschieht etwas sehr ähnliches, wie bei diesen unterschiedlich tickenden Metronomen: Die Parteien achten aufeinander und sie gleichen sich – in bestimmten Punkten – an. Im besten Fall heißt das, dass sie in der Phase 5 eine Vereinbarung schließen, wie sie sich in Zukunft miteinander verhalten wollen.

Der Effekt der Synchronisierung bei den Metronomen wird möglich, weil eine Kontextveränderung stattfinden. Ebenso wird auch die Verhaltensänderung der Parteien erheblich durch eine  Kontextveränderung ermöglicht, nämlich indem wir mit unserem Fachwissen über Prozesssteuerung einen Raum schaffen, in dem sie sich anders begegnen: mit Achtsamkeit und Respekt, mit dem Willen, sich zu erklären und zu  verstehen, mit Bereitschaft zum Konsens … .

Wie gesagt, wenn wir gut arbeiten, gibt es im besten Fall einen Konsens – der jedoch in einem ganz anderen Kontext umgesetzt werden muss, als in dem, in dem er entwickelt wurde. Es ist wie mit den Metronomen: Wenn sie von den Rollen, die die Synergieeffekte ermöglichen, herunter gesetzt werden, dominiert schnell wieder der Eigenrhythmus.

Ich denke, in dieser Hinsicht sind wir Menschen den Metronomen nicht unähnlich. Und wenn wir diese Hürde kennen, sollten wir die Konfliktparteien nicht darauf hinweisen und Maßnahmen anbieten, die die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Umsetzung erhöhen?!
EINE dieser Maßnahmen ist für mich das Angebot eines Nachgesprächs, in dem die Umsetzung reflektiert und potentielle Modifikationen besprochen werden können. Oder in dem wir gemeinsam die Erfolge würdigen und feiern und damit konsolidieren.

2. März 2017
von milan
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All that we share

Solch eine Übung eignet sich für Teamentwicklungen, in Schulklassen und bei Team- oder Gruppenmediationen, besonders bei interkulturellen Themen oder zum Diversity-Management. Mit entsprechend „lockeren“, d.h. nicht zu persönlichen Fragen, auch als Starter oder zum Kennenlernen geeignet.

Eine Beschreibung und weitere Übungen in diese Richtung finden sich z.B. in der PDF-Broschüre der jugendstiftung.de.

9. September 2016
von milan
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Das Maß der Freiheit

Es gab einmal einen Zoo, der war schon recht alt, aber er war sehr gut ausgestattet und die dort lebenden Tiere wurden bestens versorgt. Sie waren allesamt dort geboren und es fehlte ihnen so gut wie an nichts.

lion-1577009_1280Die Löwen und die Wölfe lebten in zwei von einander abgetrennten Gehegen. Ihre Reviere hatten einen gemeinsamen Zaun und manchmal trafen sich die Tiere dort, lagerten an dieser Grenze und erzählten vom Leben auf ihrer Seite. Ein beliebtes Spiel zwischen ihnen war die Frage, wessen Gehege das Schönere und Größere sei und wer das bessere Futter erhielt. 3_woelfe

Eines Tages wurde ein neuer Wolf ins Gehege gebracht. Er verhielt sich ein bisschen sonderbar und es fiel ihm offensichtlich nicht leicht, die eingespielten Regeln zu verstehen. Nach einiger Zeit erzählte er seinen Mitwölfen – und auch den Löwen, denn es war Abend und die beiden Rudel hatten sich wieder einmal im Schatten am Zaun getroffen -, dass er aus der Wildnis kam.
„Was ist diese Wildnis?“ fragten die anderen.
„In der Wildnis kann man tagelang laufen, ohne auf einen Zaun zu treffen. Man jagt sein Fressen und niemand setzt dem Leben eine Grenze“, sagte der Neuankömmling.

Weil er sehr groß und sehr stark war, taten die anderen Tiere so, als wären sie an seiner Geschichte interessiert. Sie stellten viele Fragen über diese Wildnis und sprachen anerkennende Worte.

Hinter seinem Rücken jedoch lachten sowohl die Wölfe als auch die Löwen über ihn und waren sich einig: „Noch nie im Leben haben wir einen so dreisten Lügner erlebt wie diesen.“

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Wenn Menschen mit der Größe ihres Verstandes prahlen, dann ist das so als ob sie sich darüber stritten, wer die größere Gefängniszelle bewohne.