Mediation

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Ein Stückchen Wahrheit

Teufel_rot2*Ein Engel und ein Teufel wandern für die Menschen unsichtbar auf Erden. Da kommt ihnen ein Mensch entgegen. Der Engel nimmt wahr, wie der Teufel vor dem Menschen etwas fallen lässt.
Dieser bückt sich, nimmt mit sichtbar größter Freude das Ding an sich und geht überglücklich damit weiter.
„Was hast Du diesem Menschen gerade zukommen lassen?“, fragt der Engel.
„Ein winziges Stückchen Wahrheit“, erwidert der Teufel.
„Wie? Höre ich recht? Du, ein Teufel, schenkst diesem Menschen Wahrheit? Dein Job ist doch, die Menschen in Richtung Hölle und Verdammnis zu locken!“
„Das tat ich eben: Ich habe diesem Menschlein ein winziges Stück Wahrheit finden lassen, ihn aber glauben gemacht, dass dieses winzige Stück die ganze Wahrheit sei!“

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5 Kommentare

  1. Hi,
    die Geschichte ist fit. Aber ich denke, wir sollten sehr vorsichtig sein mit dem Begriff der Wahrheit. „Wirklichkeiten“ würde es m.E. besser treffen. Vielleicht gibt es eine Wahrheit, aber das, was wir erfassen, sind immer unsere Konstrukte, die wir in unserem Hirn über Wahrnehmung, Filtern, Modelation etc. anfertigen. Und weil das dann Wirkung hat, sind es für mich „WirklichkeitEN“. Plural.
    Gruß – U.

    • Hallo Ursula,

      danke für Deine Kommentar und Deine GeDANKen zu der Geschichte.
      Inhaltlich sehe ich das sehr ähnlich wie Du, halte den Begriff der Wirklichkeit grundsätzlich auch für treffender, um die Phänomene um uns herum zu benennen.
      Aber: einerseits ist es eine Geschichte, die ich in dieser Form gefunden habe. Manchmal ändere ich zwar auch Geschichten ab, wenn ich sie mit geändertem Text hilfreicher finde, aber hier – und das ist der noch wichtigere Punkt – finde ich das Wort ‚Wahrheit‘ tatsächlich passender. Im Sinne der Geschichte. Zum einen ist es wahrscheinlich das Wort, das die meisten Menschen in dieser Situation brauchen würden und sofort verstehen. Das halte ich für ein gutes Pacing. UND – im Sinne der Geschichte: es ist ja der Teufel, der hier sein Spiel treibt. Und aus seiner Sicht ist es doch viel wirkungsvoller, wenn die Menschen etwas für ‚wahr‚ halten und nicht nur relativierend für ‚wirklich‚.
      Daher würde ich diese Geschichte gerade nicht abändern, sondern genau so wirken lassen … 😉

  2. Teile …
    … und herrsche

  3. Diese Geschichte nutze ich gerne in den Ausbildungen, um einen Aspekt der mediativen Grundhaltung deutlich zu machen: die Annahme, dass die subjektiven Wirklichkeiten immer nur Teile eines größeren Ganzen sind.

    Und ich lese sie manchmal auch in den Mediationen vor, wenn der Streit losgeht, wer Recht hat. Indem ich in dieser indirekten Art den Konfliktparteien meine Grundannahme darlege, gibt es auch einen Moment des Innehaltens mit der Hoffnung auf Neujustierung der jeweiligen Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung und der Beurteilung des Gesagten.